15.Dezember. 2009 | von Marco DartschHamburger Abendblatt

Wer Thirukethesswaran Karalasingam heißt, braucht viel Geduld beim Unterschreiben oder einen Künstlernamen.

Der Mann aus Sri Lanka begann vor vielen Jahren als Tellerwäscher in Buxtehude und gehört mittlerweile zu den Spitzenköchen südlich der Elbe. Er arbeitete mit Eckard Witzigmann, war Souschef im Rive und leitete die Küche im D.O.C. am Jungfernstieg. Am 1. April 2009 eröffnete er sein erstes eigenes Restaurant im Harburger Binnenhafen, das „Momento di…“. Das lag zeitweise im Dornröschenschlaf und glänzt fortan mit internationaler Küche – italienisch inspiriert, industriell inszeniert.

Kethees empfängt seine Gäste in den schick renovierten Räumlichkeiten eines alten Getreidespeichers. 1984 kam der Tamile als Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland. In Sri Lanka wollte er Lehrer werden. Sein Fachabitur in Mathe hilft ihm heute höchstens bei der Kalkulation seiner Speisen. „Wir arbeiten kostendeckend, aber noch nicht gewinnbringend“, zieht er ein erstes Fazit. Die Zeiten sind schwierig, doch er bleibt optimistisch: „Ich liebe Herausforderungen!“ Mit Frau und zwei Kindern wohnt er in Buxtehude. „Die Nachbarn sagten, ich sei mittlerweile ein Vorbilddeutscher: korrekt, ehrgeizig, nie aufgebend.“

Die Gerichte im „Momento di…“ wechseln täglich, gekocht wird nach Marktlage und Saison. Ich esse vorweg eine getrüffelte Selleriecremesuppe mit Jakobsmuscheln (7,40 Euro), und weil Trüffel so ein schönes Aroma verbreiten, hinterher gleich die Tagliatelle mit frisch gehobeltem Wintertrüffel (16,50 Euro). Ein weiterer Höhepunkt: Weißer Heilbutt mit Rote-Bete-Kartoffelpüree und Meerrettichschaum (21,50 Euro). Mittags brummt das Geschäft, abends braucht es noch Unterstützung. Dafür lockt Kethees im Januar und Februar 2010 mit einem sehr gastfreundlich kalkulierten Überraschungsmenü. Zwei Personen genießen vier Gänge, je ein Glas Prosecco und zahlen am Ende zusammen

39 Euro. Weihnachten und Silvester hat er seiner Mannschaft übrigens frei gegeben und kocht Heiligabend mal für die Familie. Danach gehen sie in eine deutsche Kirche. Für Hindus wie Kethess alles kein Problem.