18. Juli 2013 | von Jan-Eric LindnerHamburger Abendblatt

„Denn Kochen, das ist im „Momento Di“ Handwerkskunst.“

Die hohen Decken, das lichte Ambiente: Im Momento Di, das wohl das Restaurant im Hamburger Süden sein dürfte, das derzeit die meisten Tischreservierungen verzeichnet, verbinden sich süditalienische Gemütlichkeit mit Harburger Hafenhallencharme. An den Wänden hängen riesenhafte Schwarzweiß-Bilder von der Weinernte im Chianti und Ernteszenen, die augenscheinlich ebenfalls in der Hitze Süditaliens entstanden. Sie sind gewiss bewusst gewählt. Denn Kochen, das ist im „Momento Di“ Handwerkskunst.
Ich bestelle Steinbeißerfilet auf Linsencurry, das für 13,50 Euro auf der überschaubar gehaltenen Mittagstisch-Karte als „Klassiker“ verzeichnet ist. Jeder Bissen ist eine Bestätigung, mit der Wahl alles, aber auch alles richtig gemacht zu haben. Der Steinbeißer ist zart und saftig, das Linsencurry eine intensive, aber nicht zu aufdringliche Begleitung. Und geradezu federleicht ist das Gericht zu dieser Tageszeit, so dass es nicht einmal schwer fallen würde, danach zurück an den Schreibtisch zu kehren – wenn man müsste.
Zur Feier des Montages schmeckt dazu schon mal ein kühles Glas sizilianischen Mandrarossa Chardonnays, 2011 von der rührigen Cantine Settesoli hergestellt. Herrlich, wie die Kühle des Weins hier vor Harburger Hafenpanorama kleine Tröpfchen auf die Außenseite meines Glases zaubert. Dahinter ziehen Wassersportler ihre Bahnen, schleppen Kähne olle Frachter in die Werft. Aufmerksam fragt die freundliche Servicekraft, ob es für mich noch etwas sein darf. Ich aber winke ab. Mehr geht nicht! Außer vielleicht einem Tässchen Espresso für 2,60 Euro und einem kurzen Tischbesuch vom Meister persönlich: Khetees Karalasingam, dem Chefeinkäufer, Chefkoch, Inhaber und Ideengeber des „Momento Di“, dessen Karriere mit Tellerwaschen in Buxtehude begann und mit Zwischenstationen als chef de cuisine im D.O.C. am Jungfernstieg, im „Hamburger Hof“ und als Sous chef im „Rive“ nun wieder südlich der Elbe ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt. Für den bewies er einen langen Atem: Denn das „Momento Di“ hatte er reichlich abgewirtschaftet übernommen. Das Restaurant genoss trotz seiner herrlichen Lage keinen guten Ruf. Das hat sich zwischenzeitlich massiv geändert. Mittags wie abends lohnt der Weg in den Harburger Hafen. Man sollte einen Tisch reservieren. Vor allem abends, wenn Khetees in der offenen Küche seine viergängigen „Hamburger Schlemmer-Menüs“ kreiert, für die er in der Regel 59 Euro veranschlagt. Für zwei Personen!