07. Februar 2012 | von Jan-Eric LindnerHamburger Abendblatt

Das „Momento di“ in Harburg überrascht Gäste mit marktfrischen Kreationen – und überschaubaren Preisen

Dass mittags nicht wenige Geschäftsleute aus der Hamburger City mit Partnern, Kunden oder Kollegen in das “ Momento di “ im Harburger Hafen fahren, überrascht nicht. Vermutlich waren sie zuvor schon einmal am Abend mit Familie oder Freunden dort. Und dachten, dass auch andere Menschen es dringend kennenlernen sollten. Der von allen zu Recht nur „Chef“ oder Khetees genannte „Momento di“-Maestro Thiruketheeswaram Karalasingam ( ja, tatsächlich) hat am südlichen Wasser eine Gastronomie etabliert, die nördlich der Elbe zur absoluten Spitzenklasse gehört – dabei die Preise aber überschaubar gehalten. Für diese reife Leistung muss man ihn loben. Zumal er es geschafft hat, ein Team zusammenzustellen, das den Gast empfängt, als hätte man seit Wochen nur auf ihn gewartet.

Man betritt Khetees’ hohe Kochkunst-Halle durch eine schwere Glastür, passiert die Garderobe und lässt sich gegenüber der offenen Küche oder an der Fensterfront über dem Wasser nieder, im Sommer gern auch auf der Terrasse. Dort kann man sich auf schöne Überraschungen gefasst machen. Denn eine ständig-feste Karte gibt es im „Momento di“ nicht. Vielmehr Momentaufnahmen aus dem Angebot, das der Markt am Morgen hergab. Chef Khetees fährt jeden Morgen selber hin und sucht das Beste für seine Küche aus. Abends steht er dann am Grill und bereitet zum Beispiel eine Edelfischvariation für 24,90 Euro zu, die in unserem Fall aus Steinbutt, Seeteufel, Skrei (dem norwegischen Kabeljau) und Gambas besteht. Auf der Kreidetafel wird vorgeschlagen, dieses Gericht mit Salat zu verzehren. Aber schon bei der Bestellung führt einem die strahlende Servicekraft Alternativen vor Augen: Rahmwirsing, Rahmsauerkraut, gegartes Gemüse. Alles geht.

Und wie das geht, hier im „Momento di“ zwischen sepiagefärbten Fotos italienischer Ernteszenen. Und zwar nachdem man bereits einen Kürbis-Espresso als Gruß aus der Küche und ein ausgezeichnetes Carpaccio vom Black-Angus-Rinderfilet mit Parmesanspänen und Rucola (11,80 Euro) genossen hat. Die Tagliatelle mit Rinderfiletspitzen und Kräuter-Tomatensauce (12,80 Euro) bilden eine günstige Alternati- ve zu den anderen Hauptgerichten, die preislich zwischen 18 und 25 Euro liegen und zum Beispiel aus Pata Negra mit Spinat und Rosmarinkartoffeln (23,50 Euro) oder einem halben Hummer mit Spaghetti Arrabiata (23,50 Euro) bestehen. Zum Dessert ist die Crème brûlée mit Zitrusfrüchtesalat und weißem Schoko-Sorbet zu empfehlen, die mit 6,50 Euro ein schlichtüberragendes Preis- Genuss-Verhältnis aufweist. Unbedingt zu beachten sind auch die Aktionen, mit denen Khetees Karalasingam immer neue Freunde gewinnt. Noch bis Ende Februar gibt’s zum Beispiel ein „Two for One“-Überraschungsmenü für 39,50 Euro, das aus vier Gängen für zwei Personen besteht.

Zwei Jahre hatte das „Momento di“ leer gestanden, bevor Khetees Karalasingam, der Kochen als Kunstform begreift, es reanimierte. Das war ein Wagnis. Inzwischen beweist sich hier, am südlichen Hafenwasser, eine immer wieder gern zitierte Binse: „Qualität setzt sich durch.“